von Ralf Schweinsberg | 6. Februar 2026 | Glaube, Impuls
Kinder machen es uns vor: Ohren zu, Durchzug an, als sei das Gesagte nie gefallen. Auch wir Erwachsenen ziehen uns oft zurück — aus Gewohnheit, Überforderung oder weil eine Botschaft uns trifft, wo es wehtut.
Manchmal wirkt eine Botschaft scharf und unbequem. Ein Kommentar, eine Statistik, ein persönliches Zeugnis kann uns in eine Ecke stellen, in der wir uns unwohl fühlen. Solche Worte können trennen — von eingefahrenen Gewohnheiten, von falschen Selbstbildern oder von Verdrängtem. Das schmerzt, ist aber oft Voraussetzung für Veränderung. Wer nur bequeme Botschaften zulässt, bleibt leicht beim immer Gleichen hängen.
Jesus erzählt einmal eine Geschichte von einem Sämann, der über sein Feld läuft und großzügig Samen ausstreut (Lukas 8, 4-8). Längst nicht alles fällt auf fruchtbaren Boden und hat eine Chance, sich zu entwickeln. Und doch wächst einiges – wenn auch langsam und zunächst unscheinbar. Am Ende, so meint Jesus, ist das auch mit unserem Hören so. Hören erfordert Mut und Geduld. Mut, weil echte Aufmerksamkeit uns verwundbar macht und Geduld, weil Veränderung Zeit braucht.
Oftmals scheinen gute Worte leider keine Wirkung zu entfalten – dem widerspricht Jesus nicht. Mancher Samen, so erzählt er, fällt auf steinigen Boden und vertrocknet: Wir hören, haben gute Vorsätze und doch ändert sich wenig. Wie oft habe ich schon erlebt, dass eine Predigt mich nicht angesprochen hat, ein guten Rat verhallte und eine Mahnung mich gar nicht erreichte.
Aber Gottes Saat arbeitet anders. Manchmal setzt sie sich still fest, wächst im Verborgenen, schiebt Wurzeln, ehe erste Triebe sichtbar werden. Das Vertrauen darauf fällt mir schwer: Ich will Resultate, Beweise, sofortige Veränderungen. Doch Gott hat Geduld. Er streut seine Botschaft großzügig aus — in Predigt, im Gespräch, im Flüstern des Gewissens — und sie bleibt nicht wirkungslos. Seine Botschaften können mein Denken und Handeln verändern, auch wenn ich sie zuerst ignoriere.
Und erwachsene Aufmerksamkeit unterscheidet sich von kindlichem Wegdrehen: Sie ist aktiv! Sie nimmt wahr, sammelt, wägt ab, lässt zu, was unbequem ist, und gibt Raum für das, was langsam wirkt. Und manchmal trifft eine Beobachtung oder ein Gespräch unvermittelt mitten ins Herz — dann passiert Veränderung.
Für den Alltag heißt das: Einfaches Ignorieren und Weghören ist keine Lösung. Wir sollten uns fragen, welche Stimmen wir absichtlich überhören und warum. Welche Impulse sind unbequem, aber vielleicht doch wichtig? Welche Ideen lasse ich zu, damit sie später Früchte tragen? Und wie schaffe ich Räume, in denen ich Aussagen hören und prüfen kann – ohne sofortige Verurteilung, aber mit dem Anspruch auf Veränderung?
Kurz: Worte werden ausgesprochen und ihre Kraft hängt nicht allein von meiner Bereitschaft ab, sie sofort aufzunehmen. Vieles bleibt unsichtbar wirksam. Wenn ich aufmerksam bleibe, bereit zu hören, zu prüfen und, wo nötig, auch mein Verhalten zu ändern, dann kann sich vieles bei mir und in der Welt verändern.
Ralf Schweinsberg
von Ralf Schweinsberg | 6. Januar 2026 | Glaube
Heute kommen sie, die „heiligen drei Könige“ – sie bringen aber nicht nur Geschenke, sie bringen auch einen schwer Weg für die junge Familie mit.
Am Anfang des neuen Jahres hoffen wir auch Gottes (leichte, schöne, bequeme) Führung – aber sind wir auch bereit, seinen Weg mitzugehen? Für Maria und Josef ging es erst einmal auf die Flucht …
Unser Thema am Dienstagabend, 07.01.2025 ab 19.30 Uhr – wie immer online.
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Ralf Schweinsberg
von Ralf Schweinsberg | 20. Dezember 2025 | Aktuelles, Impuls
„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“
(Philipper 4,4)
Diese Worte wirken wie ein Lichtschein in dunkler Zeit: Gott kommt zu uns! Und wo Gott nahe ist, beginnen sich die Verhältnisse zu verändern. Dort, wo Not war, wächst Hoffnung.
Die Bibel verspricht keine heile Welt. Sie sieht die Hungrigen und Gedrückten, die Mächtigen auf hohen Sitzen. Doch das Kommen Gottes dreht die Perspektive um: Hungrige werden satt, die Mächtigen verlieren ihr Podest.
Diese Umkehr betrifft nicht nur Politik oder Gesellschaft, sie verändert Herzen und Begegnungen. Freude, die aus der Nähe Gottes erwächst, befreit von Eitelkeit und Härte. Sie macht schön — nicht als Make-up, sondern als lichte Haltung, die das Gesicht eines Menschen verwandelt.
Denken wir an das ganz Alltägliche: Eine junge Mutter, die ein Kind erwartet, fängt an zu leuchten. Ihre Vorfreude verändert ihr Gesicht, ihre Worte, ihren Gang. Verliebte, die sehnsuchtsvoll aufeinander warten, beginnen zu strahlen. Sie sehen anders, sprechen anders, schenken mehr. Solche kleinen Wunder des Leuchtens sind Vorboten dessen, was der Advent verkündet. Der Vierte Advent erinnert uns: „Der Herr ist nah!“ Diese Botschaft ist nicht privat; sie springt über, sie lädt ein, sie steckt an.
Nehmen wir zwei Frauen aus der Bibel als Beispiel: Sarah, der in hohem Alter ein Sohn verheißen wird, erlebt noch einmal das Staunen des Lebens. Gott sagt Ja zu ihr und Altersgrenzen werden übersprungen. Maria, die junge Frau aus Nazareth, lobt Gott dafür, dass er die Niedrigen erhöht und die Mächtigen stürzt. Ihre Freude ist kein leichter Optimismus, sondern ein protestierendes Lob: Gott nimmt Partei für die Schwachen.
Beiden Frauen ist gemeinsam, dass ihre Freude sie verändert und sie selbst zu Trägerinnen der Verheißung macht. Wie aber lässt sich diese Freude leben? Zunächst: Sie ist kein flüchtiges Gefühl, sondern entschiedenes Vertrauen. Wer glaubt, dass Gott nahe ist, beginnt anders zu handeln. So wie die Nachbarin, die bemerkt, dass die ältere Frau im Hausflur oft einsam wirkt. Statt weiter zu grüßen, lädt sie sie zum Tee ein, hört zu und bringt Lebensmittel vorbei.
Das ist keine Politik, das ist Freude in Aktion. Eine Freude, die hungrige Herzen sättigt und die Macht der Gleichgültigkeit bricht. Solche kleinen Gesten nähren das, was Advent meint: die Welt ein Stück gerechter und menschlicher zu machen.
Und diese Freude ist ansteckend: Wenn wir glauben, dass Gott bei den Schwachen ist, verlieren wir die Angst vor dem anderen, dem Fremden. Wir werden gütiger im Blick und großzügiger in der Tat. Freude macht uns offen für Hoffnung, sie schenkt Mut, das Richtige zu tun statt nur das Bequeme.
Am Ende steht kein triumphaler Abschluss, sondern ein Weg: Der Herr ist nah. Und weil er nah ist, dürfen wir hoffen, handeln und froh sein. Die Botschaft des Advents ruft uns zu: „Freuet euch! Lasst diese Freude eure Gesichter erhellen, eure Hände tätig werden und eure Gemeinschaften wärmer machen.“ So wird Advent zur einer Zeit, in der die Welt Stück für Stück menschlicher wird – durch das Licht, das aus Freude wächst.
Ralf Schweinsberg
von Ralf Schweinsberg | 16. Dezember 2025 | Glaube
Violett. Er gehört zur „Bußzeit“ – was nichts anderes bedeutet als: Vorbereitungszeit. Aber nicht für ein perfektes Weihnachtsessen und – fest. Sondern für mich und die Ankunft Jesus in meinem Leben. Aber wie kann das aussehen? Wie kann ich mich vorbereiten?
Johannes der Täufer gilt als „Wegbereiter“ für die Ankunft Jesu. Er findet nur leider wenig schmeichelhaften Worte für die Menschen seiner Zeit – Matthäus 3, 7ff.
Unser Thema am Dienstagabend, 16.12.2025 ab 19.30 Uhr – wie immer online.
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Ralf Schweinsberg
von Ralf Schweinsberg | 13. Dezember 2025 | Aktuelles, Impuls
Freitag sprach ich mit einem Bauunternehmer über Weihnachten. Seine Frau ist vor drei Monaten an Krebs gestorben. Er fragte: Wie wird wohl Weihnachten dieses Jahr? Ich konnte seine Sorgen spüren, seine Angst vor den kommenden Tagen. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit tut der Verlust besonders weh. Jetzt sehen wir deutlicher die Verletzungen, Risse und Brüche in unseren Familien.
Viele sind heute Patchwork-Familien, mit interessanten Fragen: Wie feiere ich, mit wem, wann, wie lange und wo? Feiere ich in der alten Heimat oder mit der Familie meiner Partnerin? Bin ich bei meiner Mutter oder meinem Vater? Wie schaffen wir noch den Besuch bei den Schwiegereltern? Wie mache ich es allen recht? Wie werde ich allen gerecht? Wie komme ich zu meinem Recht?
Advent und Weihnachten sind nicht einfach. Für manche Menschen sind diese Wochen schwierig, für andere unerträglich. Die Zeit erinnert schmerzlich daran, wer und was fehlt: der Vater, der überraschend gestorben ist; ein Kind, das im Sommer starb; der Arbeitsplatz, der verloren ging, der Partner, der mir abhandengekommen ist. Die Botschaft von Geburt, Stall, Hirten und Königen trifft Menschen mit solchen Erfahrungen oft nicht.
Es stimmt leider nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt. Manche Verletzungen werden Teil dessen, wer wir sind. Narben bleiben und Wunden heilen nicht vollständig. Advent und Weihnachten wirken für viele wie eine simple Inszenierung, mit der sie nichts anfangen können.
Doch es gibt auch eine andere Perspektive. Ein Adventswort sagt: „Dann kommt der Menschensohn auf einer Wolke mit göttlicher Macht und Herrlichkeit und alle werden ihn sehen. Dann richtet euch auf und erhebt den Kopf: Bald werdet ihr gerettet!“ Wir sollen den Blick zu heben — gegen die Last der Trauer, gegen Schuld und gegen einengende Routinen. Wer den Blick erhebt, kann freier atmen.
Jesus sagt: „Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: Wenn die ersten Blätter herauskommen, dann wisst ihr, dass der Sommer bald da ist.“ So wie die Natur zuverlässig wiederkehrt, so ist auch Verlass auf das Nahen der Erlösung. Jesus will sagen: Er kommt nicht nur am Ende der Zeit, sondern immer wieder in mein Leben. So wie Blätter immer wieder neu ausschlagen. Darauf kann ich mich verlassen. Er ist da, jetzt und hier, lässt mich nicht los, gerade in finsteren Tälern. Er steht mir zur Seite, still und unerkannt, in diesem Jahr und alle Jahre wieder.
Ralf Schweinsberg