Ich habe genug zu essen. Mein Kühlschrank ist gefüllt. Jeden Tag kann ich satt werden. Und trotzdem kenne ich dieses Gefühl: Innerlich bin ich leer. Der Körper ist satt. Aber die Seele hungert. Ich sehne mich nach etwas, das ich nicht genau beschreiben kann. Nach Ruhe. Nach Anerkennung. Nach einem Menschen, der mich wirklich versteht. Nach einem Leben, das mehr ist als Arbeit, Termine und Sorgen.
Manchmal versuche ich, diese Leere zu füllen. Ich kaufe etwas Neues. Ich esse mehr, als mir guttut. Ich scrolle lange durch mein Handy. Ich suche Unterhaltung. Ich plane die nächste Reise. Ich freue mich auf das Wochenende. Das alles kann schön sein. Aber es hält nicht lange vor. Der Hunger kommt zurück.
Jesus kennt diesen Hunger. Er kennt auch den körperlichen Hunger der Menschen. In der Bibel wird erzählt, wie einmal eine große Menge zu ihm kommt. Die Menschen bleiben lange bei ihm. Sie hören ihm zu. Nun sind sie müde und hungrig. Aber Jesus schickt sie nicht einfach weg. Er sagt nicht: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ Er nimmt ihre Not ernst.
Ein Junge hat fünf Brote und zwei Fische. Nicht viel für eine so große Menge. Jesus nimmt dieses Wenige, dankt Gott und teilt es aus. Am Ende werden alle satt.
Diese Geschichte ist der Aufruf, auch die natürlichen Bedürfnisse der Menschen zu sehen. Darum gehört Essen und Trinken zum christlichen Glauben. Jesus feierte mit Menschen. Er ließ sich einladen. Er saß mit unterschiedlichen Menschen an einem Tisch. Mit Frommen und Zweifelnden. Mit Angesehenen und Ausgegrenzten. Mit Menschen, die andere lieber gemieden hätten. So wird ein gedeckter Tisch zum Zeichen der Liebe.
Das erleben wir auch heute. Jemand kocht eine Suppe für die kranke Nachbarin. Eine Familie lädt einen alleinstehenden Menschen zum Essen ein. Freunde bringen beim gemeinsamen Abendessen nicht nur Speisen mit, sondern auch Zeit. So wird ein Tisch zum Ort des Friedens.
In christlichen Gemeinden gehört das Abendmahl zum Gottesdienst. Brot und Wein erinnern an Jesus Christus. Menschen kommen zusammen. Niemand muss sich den Platz am Tisch verdienen. Niemand muss beweisen, dass er stark genug, fromm genug oder erfolgreich genug ist. Alle empfangen. Alle sind auf Gottes Hilfe angewiesen.
Das Abendmahl erinnert daran: Gott will nicht nur unseren Körper versorgen. Er will unser ganzes Leben stillen. Er schenkt Vergebung, Gemeinschaft und Hoffnung.
Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Das bedeutet: Bei ihm finden wir, was kein Besitz uns geben kann. Er schenkt eine Hoffnung, die trägt. Eine Liebe, die satt macht und mein ganzes Leben verändert.
Wir dürfen darauf vertrauen: Es kommt der Tag, an dem Gott jeden Hunger stillt. Dann wird niemand mehr ausgeschlossen sein. Niemand wird mehr weinen. Niemand wird mehr innerlich leer bleiben. Bis dahin leben wir aus dem, was Gott uns gibt. Und wir geben weiter, was wir empfangen: Brot für den Körper, Zeit für die Einsamen und Hoffnung für die Seele.
Ralf Schweinsberg
